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Konzert einmal anders!

Cappel. Man glaubte einen Moment lang, im Kino zu sitzen. Originalgetreu kamen die Töne von Henry Mancinis „The Pink Panther“ bei den Zuhörern in der kühlen Kirche an. Aber nicht etwa ein alter Film vermochte die 180 Gäste zu in seinen Bann zu ziehen. Organist Johannes Fiedler aus Stuttgart spielte die Cappeler Arp Schnitger Orgel und sorgte mit seinen beschwingten Klängen und populären Melodien für einen vergnügten Nachmittag.

„Wir bieten jedes Jahr im Sommer einen Konzertnachmittag an, der speziell die Bürger und Urlaubsgäste ansprechen soll, die noch nicht so sehr in der Welt der Orgelmusik zu Hause sind“, betonte der Vorsitzende des Fördervereins der Arp Schnitger Orgel Gerhard Primus-Frerichs. „Unsere Orgel hat nicht nur einen einzigartigen Charakter, sondern auch eine Seele“, verriet Almut Harrs vom Cappeler Kirchenvorstand, die das Konzert moderierte. Und wer eine Seele hat, der würde auch eventuell einmal verstimmt sein, verriet sie. Noch direkt vor dem Konzert musste die Orgel wegen des heißen Wetters neu gestimmt werden, trotzdem seien kleine Ton-Fehler möglich. Natürlich durfte die fulminante Toccata in d-Moll als Eingangsmusik nicht fehlen. Aber erst bei den Sommervariationen von George Gershwin taute das Publikum so richtig auf. Walzerklänge, wie aus der Drehorgel, feuriger Tango und sphärische Flöten wechselten sich ab. „Diese Orgel ersetzt ja ein ganzes Orchester“, meinte ein Gast völlig verblüfft. Ungewohnte Klänge entlockte Fiedler dem Instrument bei Ben E. Kings „Stand by me“. Das ist ja modern, da kann man ja mitsingen“, wunderte sich Margitta Torch. Genau diese Musik würde die Leute in die Kirche holen, meinte sie begeistert. Einen musikalischen Leckerbissen hatte der Organist zum Schluss noch für die Zuhörer parat. Auf Zuruf notierte er Musikwünsche und spielte daraus ein gelungenes Potpourri mit verschiedenen Variationen. Von „Bridge over troubled water“ über das „Phantom der Oper“ bis hin zu „Freude schöner Götterfunken“ spannte er den musikalischen Bogen. Und bei der Zugabe kam natürlich auch Cappels heiß geliebter Zimberstern zum Einsatz. Auf die Frage, was er da denn für eine Musik gespielt habe, antwortete der Organist verschmitzt „Variationen eines Nokia-Klingeltons“. Fiedler hatte sich an der Cappeler Orgel vier Tage lang auf das Konzert vorbereitet. Die Wohnung im Organistenhaus sei eine tolle Einrichtung, lobte er die Gastfreundschaft der Cappeler Kirchengemeinde. Auch sei es für ihn etwas Besonderes auf der Arp Schnitger Orgel zu spielen. Einige der Pfeifen seien zwar aufgrund ihres Alters vielleicht nicht immer so klar, wie die einer modernen Orgel, erläuterte Fiedler. Das würde das Gesamtinstrument aber sozusagen als „Soßenbinder“ mehr als ausgleichen. Auch der Rahmen des Konzertes war gelungen. Der Verein Kulturerbe Dorfwurt Cappel hatte die Tische im Garten und im Organistenhaus gedeckt und lud vor dem Konzert zu Butterkuchen aus dem Steinbackofen ein. „Wir sind sehr zufrieden“, betonte der Vorsitzende des Vereins Rolf Schweisfurth. Kurz vor Konzertbeginn waren der gesamte Kuchen und das angebotene Brot ausverkauft. ul

Moderne Musik an der alten Orgel: Organist Johannes Fiedler begeisterte mit seinem Spiel an der Arp Schitger Orgel in Cappel 180 Zuhörer. Foto Ulich