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Kein Schimmel an der Orgel

Cappel. In der Cappeler St. Peter und Paul-Kirche stehen größere Sanierungsmaßnahmen an. Laut eines Klimagutachtens, das im Dezember 2018 erstellt wurde, könnten durch undichte Kirchenfenster, die veraltete Heizungsanlage und feuchtes Mauerwerk in Zukunft erhebliche Schäden am Kircheninventar und auch an der wertvollen Arp Schnitger Orgel entstehen. Um das rechtzeitig zu verhindern, soll schnellstmöglich eine neue Heizungsd- und Klimaanlage eingebaut werden.

„Das benötigte Geld hat uns die Landeskirche Hannover bereits bewilligt“, betont die Vorsitzende des Cappeler Kirchenvorstandes Almut Harrs. Insgesamt 253000 Euro wird das Gesamtmaßnahmenpaket kosten. Wichtig ist in erster Linie die Fensterrenovierung und der Bau einer neuen Heizungsanlage. „An den Fenstern haben wir bereits erste Schimmelprobleme bekommen“, so Harrs. Um effektiv zu arbeiten, muss an die Heizungsanlage auch eine automatischen Belüftung gekoppelt werden. Gerade im Hinblick auf die wertvolle Arp Schnitger Orgel ist der automatische Ausgleich der Luftfeuchtigkeit in der Cappeler Kirche dringendst erforderlich. Bei vielen Kirchen wird im Sommer über die Fenster gelüftet. Warme, feuchte Außenluft gelangt so in die Kirche und kondensiert an den kalten Kircheninnenwänden. Im Winter dagegen wird vor und zum Gottesdienst der Kirchenraum für die Gemeinde kurzzeitig geheizt. Die warme Luft nimmt viel Feuchtigkeit aus der Atemluft der Besucher sowie aus deren feuchter Kleidung auf. Wird die Kirchenheizung dann nach dem Gottesdienst wieder ausgeschaltet, fällt die Raumtemperatur rapide ab und die relative Luftfeuchte steigt oft auf über 70 Prozent an. So können dann Wassertropfen aus der Raumluft an den kältesten Stellen im Kirchenraum kondensieren. Manchen Schimmelpilzen reicht zum Wachstum sogar schon eine oberflächennahe relative Luftfeuchte von 65 bis 70 Prozent. Dabei muss nicht einmal Kondensation auftreten. Schimmelpilze mögen kein Licht und wachsen deshalb besonders gerne an dunklen Stellen im Kircheninnenraum. Dies sind oft die Unterseiten von Emporen, Altäre und vor allem das Innere von Orgeln. Schimmelpilze sind wenig wählerisch und können nahezu alle Materialien besiedeln, also Holz, Wandmalereien, Lederabdeckungen und sogar Stuck. Besonders gerne, wenn dort Staub abgelagert ist. Oft ist der Schimmelpilzbewuchs deswegen nicht einmal gleich auf den ersten Blick zu erkennen.

„Das Klimatisierungsprojekt soll auf jeden Fall noch in diesem Jahr umgesetzt werden“, betont Harrs. „Wir wollen gerne in der zweiten Jahreshälfte mit dem Heizungsbau beginnen“, betont die Kirchenvorsteherin. Ob dafür noch der Schornstein versetzt werden muss, steht allerdings noch nicht fest. Da der Gutachter außerdem durch verschiedene Messungen Feuchtigkeit im Mauerwerk festgestellt hat, ist auch hier eine Sanierung dringend erforderlich. Rund 50000 Euro werden dafür veranschlagt. Somit kann es sein, dass ein oder mehrere Orgelkonzerte im Laufe des Jahres kurzfristig abgesagt werden müssen. Wichtig sei es für die Zukunft, dass die Klimatisierung des Kirchenraums ganzjährig überwacht wird, betont Harrs. Dies sei mit einer modernen Lüftungs- und Heizungsanlage zu realisieren.

Die Arp-Schnitger-Orgel in der Cappeler Kirche

ist nicht vom Schimmel beroht und soll in Zukunft noch besser vor Feuchtigkeit geschützt werden.