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Jubiläumskonzert

Jubiläumskonzert

Zum 40. Geburtstag des Fördervereins der Arp Schnitger Orgel in Cappel hatte die Kirchengemeinde zu einem Konzert mit der Preisträgerin des Arp Schnitger Wettbewerbs Bremen 2012 Juhee Lee eingeladen. Bevor die Organistin aus Südkorea mit ihrem Konzertprogramm begann, hielt Professor Harald Vogel von der Hochschule für Künste in Bremen eine Laudation auf die Orgel und deren Förderverein.

Die Arp Schnitger Orgel in der Cappler Dorfkirche hätte bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine weltweite Rolle gespielt, erläuterte der Fachmann den Konzertbesuchern. Als eine der besterhaltenen Orgeln des 17. Jahrhunderts in Nordeuropa wäre sie daran beteiligt gewesen, eine völlig neue Stufe der Musikvermittlung einzuleiten. Die Deutsche Grammophon war in den 40er Jahren als erste Musikproduktionsfirma weltweit in der Lage, das gesamte Tonspektrum einer Orgel aufzunehmen. Eine Orgel sei ja das Instrument, bei dem die Pfeifenreihen einerseits die allertiefsten andererseits aber auch die höchsten Töne für die menschliche Hörgrenze wiedergeben, erklärte Vogel seinen Zuhörern Die Bach-Aufnahmen des damals weltbesten Organisten Helmut Walcha an der Cappeler Orgel hätten für Aufsehen gesorgt. Zwischen 1947 bis 1952 gelang ihm die erste Gesamteinspielung der Werke von Johann Sebastian Bach. Zuerst sollten die Aufnahmen an der Arp Schnitger Orgel der Lübecker Jacobi-Kirche erfolgen. Schnell hätte man aber gemerkt, dass der Lärm durch das Kopfsteinpflaster vor der Kirche empfindlich störte, wusste Vogel zu berichten. So sei man auf die Dorfkirche in Cappel gekommen. Hier kamen dann vier optimale Faktoren zusammen: Die besterhaltene Arp Schnitger Orgel, bei der sogar die Original-Prospektpfeifen erhalten sind, dazu die beste Orgelmusik von Bach, der beste Organist und die modernste Aufnahmetechnik der damaligen Zeit. „Die Musikliebhaber in der ganzen Welt hörten, dass hier etwas völlig Neues gelungen war“, so Vogel. Und dieses Neue sei eigentlich das Originale, das Alte gewesen. Auch heute noch sind die Aufnahmen Walchas bekannt. „Cappel war und ist weltberühmt“, so der Musikexperte, der die Cappeler Orgel selbst seit den 50er Jahren kennt.

Als in den 60er Jahren die Cappeler Kirche eine neue Heizung bekam, wurden die klimatischen Bedingungen der Orgel fast zum Verhängnis. Schnell war das Instrument in einem fast unbespielbaren Zustand. Das hätte die Landeskirche die Diskussion angestoßen, die Orgel aus der Cappeler Kirche zu entfernen und in einer großen, geeigneteren Kirche wieder aufzubauen, so Vogel. Dagegen regte sich in Cappel und Land Wursten erbitterter Widerstand. Federführend dabei sei Dr. Voigt als langjähriger Organist in Cappel gewesen, berichtete Vogel. Er hätte damals die Keime für das Bewusstsein in der Gemeinde gelegt. Letztlich konnte Cappel die Landeskirche davon überzeugen, die Orgel umfassend zu restaurieren und in Cappel zu belassen. Der Förderverein wurde genau vor 40 Jahren gegründet. 1977 begann die Firma Beckerath aus Hamburg, das wertvolle Instrument umfassend zu restaurieren aber in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten. Heute finden neben Orgelvorführungen auch jährlich drei Meisterkonzerte in Cappel statt. Der Förderverein in Cappel sei einer der wenigen, dem es gelungen ist, seit über 40 Jahren ein treues Publikum zu den Konzerten zu locken, lobte Vogel. „Es gibt keine schöneren Orgelklänge auf der ganzen Welt“, sprach der den Konzertbesuchern aus der Seele. ul