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Am 7. März 2014 feierte der Förderverein der Arp Schnitger Orgel in Cappel seinen 40. Geburtstag. Hinter dem Verein steht eine wechselvolle und spannende Geschichte. Nur dem Kampfeswillen der Vereinsmitglieder ist es letztlich zu verdanken, dass das weltberühmte Instrument noch immer an der Wurster Küste zu hören ist.

1810 war die alte Cappeler Kirche einem Brand zum Opfer gefallen. Bereits 1815-16 entstand eine neue Kirche, in der die ursprünglich für die Hamburger Klosterkirche St. Johannis erbaute Schnitger-Orgel angekauft und auf der Empore aufgestellt wurde. Hier in Cappel verfiel das Instrument in einen Dornröschenschlaf. So ist dieses Denkmal aus der Zeit der höchsten Schaffenskraft Arp Schnitgers unverändert erhalten geblieben und damit Zeitzeuge des Klangs der damaligen Orgelbaukunst. Aufgeweckt wurden Orgelliebhaber erst 1950, als Helmut Walcha seine berühmten Bach-Aufnahmen (1950 und 1952) an dieser Orgel einspielte.

Plötzlich realisierten Kenner und Kirche, welchen Schatz die kleine Dorfkirche überhaupt barg. Und natürlich gab es auch sofort Stimmen, die die ehrwürdige Orgel lieber in einer großen und „angemessenen“ Kirche sehen wollten. Dass das kostbare Instrument überhaupt noch in der kleinen Kirche steht, ist vor allen Dingen dem entschlossenen Kampf der Gemeindemitglieder und des Kirchenvorstandes zu verdanken. Ein Protokoll von Mittwoch, dem 20. Mai 1970 schildert eine Sitzung mit zum Teil abenteuerlichen Argumentationen zu diesem Thema im Gemeindesaal in Dorum. Die Orgel solle nach St. Nicolai in Lüneburg verlagert werden, das stand vor 44 Jahren drohend im Raum. Für die Streiter aus Cappel und Land Wursten ein Unding. Die Orgel sei für den Cappeler Kirchenraum zu groß und somit zu laut, argumentierten Sachverständige. Walcha hätte sogar seine hochgelobten Bachaufnahmen in der Cappeler Kirche gemacht, entgegneten die Wurster, die um jeden Preis ihr Instrument behalten wollten. „Nun ist es so weit, dass man uns unsere Orgel wegnehmen will“, klagte Pastor Koch. Es würde immer nur vom Wohl der Orgel gesprochen und nicht vom Wohl der hiesigen Menschen, sagte Koch laut Protokoll. Dem damaligen Superintendenten Ubbelohde fiel auf, dass der Kirchenvorstand Cappel durch sein Schweigen eine „feste Front“ bildete. Dies gefiel ihm nicht, dies sei eine heimliche Front, ließ er ins Protokoll setzen. Sogar riesengroße Versprechungen wurden den Cappeler Bürgern damals gemacht. Eine mindestens gleichgroße Orgel sollte das Kirchenschiff schmücken, soziale Hilfseinrichtungen sowie die Förderung des Tourismus wurden angeboten.

Die Cappeler zeigten Rückgrat und widerstanden den Verlockungen. Aus dem kämpferischen Freundeskreis der Orgel wurde 1974 ein Förderverein, der sich seither um die Belange sowie Finanzierung des kostbaren Instruments kümmert und gemeinsam mit der Kirchengemeinde hochkarätige Konzerte veranstaltet.